Wo fängt man da am besten an?
Irgendwann in meiner Jugend bin ich zum Pokerspiel gekommen. Wie genau, weiß ich heute gar nicht mehr. Was ich aber noch weiß: Eines Tages saß ich mit einem Freund bei einem kleinen Pokerturnier eines Fußballvereins in München und war sofort Feuer und Flamme.
Ein Spiel, das Strategie, Mathematik, Psychologie und eine Prise Glück miteinander verbindet? Das klang genau nach meinem Geschmack.
Schon kurze Zeit später durchstöberte ich Pokerforen, verschlang Strategieartikel und beschäftigte mich immer intensiver mit dem Spiel. Für mich war Poker damals der perfekte Ausgleich zum Fußball. Und davon gab es reichlich in meinem Leben. Bis zu meinem 18. Geburtstag drehte sich fast alles um den Sport: Als Spieler, Trainer, Scout oder einfach als jemand, der jede freie Minute auf dem Platz verbrachte. Freunde und Familie waren teilweise schon genervt davon, wie sehr sich mein Leben um Fußball drehte.
Umso erstaunlicher finde ich es heute, wie sich Interessen im Laufe der Zeit verändern können. Neue Hobbys entstehen, neue Menschen kommen ins Leben und plötzlich öffnen sich Türen, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass sie existieren.
Über meine ersten Schritte im Poker werde ich sicher noch ausführlicher schreiben. Besonders während meiner Studienzeit wurde das Spiel zu einem großartigen Hobby. Nicht nur wegen des Wettbewerbs, sondern auch wegen der Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben haben.
Mein Lieblingsformat waren und sind bis heute Satellitenturniere, bei denen man sogenannte „Packages“ für große Live-Events gewinnen kann. Diese Pakete beinhalten oft nicht nur das Buy-in für das Turnier, sondern auch Hotelaufenthalte, Taschengeld und weitere Extras.
Und das Beste daran: Die meisten dieser Packages gelten für zwei Personen.
Dadurch konnte ich immer einen Freund mitnehmen und die Reisen gemeinsam genießen. Egal ob beim Sightseeing, am Strand oder natürlich beim Feiern nach dem Turnier.
Wenn ich heute zurückblicke, gehören diese Reisen zu meinen schönsten Erinnerungen. Poker hat mich nach Griechenland, Kroatien, Italien, Spanien, Malta, Tschechien, Estland, Großbritannien und sogar auf die Bahamas gebracht. In jungen Jahren so viele verschiedene Orte und Kulturen kennenzulernen, ist etwas, wofür ich bis heute unglaublich dankbar bin.
Natürlich hat Poker nicht nur schöne Seiten.
Wer sich intensiver mit dem Spiel beschäftigt, wird früher oder später Bekanntschaft mit der Varianz machen. Man investiert viel Zeit, trifft die richtigen Entscheidungen… und verliert trotzdem. Manchmal sogar über Wochen oder Monate hinweg.
Das kann frustrierend sein. 😀
Gleichzeitig ist genau das eine der wichtigsten Lektionen, die Poker vermittelt: Ergebnisse und Entscheidungen voneinander zu trennen.
Wenn ich in einer Situation mit 81 % Gewinnwahrscheinlichkeit All-In gehe, kann mein Gegner trotzdem gewinnen. Das passiert. Kurzfristig spielt Glück eine große Rolle. Langfristig setzt sich jedoch die Mathematik durch. Wiederholt man dieselbe Situation unendlich oft, werde ich ungefähr in 81 % der Fälle als Gewinner hervorgehen.
Genau dieser Gedanke hat mich am Poker immer fasziniert. Erfolg bedeutet nicht, jede einzelne Hand zu gewinnen. Erfolg bedeutet, immer wieder die bestmögliche Entscheidung zu treffen.
Trotz meiner Leidenschaft war Poker für mich jedoch fast immer ein Hobby. Während des Studiums gab es Phasen, in denen ich das Spiel etwas ernster betrieben habe und zeitweise vielleicht sogar als semiprofessionell bezeichnen würde. Für eine Vollzeitkarriere hätte mir jedoch etwas Entscheidendes gefehlt: die mentale Stärke, die extremen Schwankungen über Jahre hinweg auszuhalten.
Und ehrlich gesagt wäre mir ein täglicher 15-Stunden-Pokergrind vermutlich auch einfach zu eintönig.
Viel schöner finde ich es, Poker als das zu genießen, was es für mich heute ist: ein anspruchsvolles Hobby, bei dem man sich ständig weiterentwickeln kann, spannende Menschen kennenlernt und immer wieder neue Herausforderungen findet. Und so freue ich mich auch heute noch auf jede Session.
Vielleicht gerade deshalb, weil ich nicht jeden Tag spielen muss. Sondern weil ich mich jedes Mal darauf freue, wenn ich wieder an den Tisch zurückkehre.
Und genau darin liegt für mich auch einer der größten Vorteile, wenn Poker „nur“ ein Hobby bleibt.
Natürlich investiert man Zeit, beschäftigt sich mit Strategien, analysiert sein Spiel und versucht, sich stetig zu verbessern. Doch der Druck, jeden Monat davon leben zu müssen, fällt weg. Dadurch kann man die schönen Seiten des Spiels viel mehr genießen.
Und seien wir ehrlich: Es fühlt sich natürlich auch gut an, wenn sich die investierte Zeit ab und zu auszahlt.
Als langfristig profitabler Turnierpokerspieler erlebt man immer wieder besondere Momente. Manchmal läuft über Wochen gar nichts zusammen, und dann kommt plötzlich dieser eine Turnierlauf, der alles verändert. Ein Finaltisch hier, ein größerer Sieg dort oder vielleicht sogar ein Turniergewinn, der die Pokerkasse ordentlich wachsen lässt.
Diese sogenannten „Scores“ sind natürlich nicht der Hauptgrund, warum ich spiele. Aber sie sorgen immer wieder für besondere Erinnerungen und ermöglichen Dinge, die man sich sonst vielleicht nicht gegönnt hätte. Sei es eine besondere Reise, ein spontaner Luxus, ein neues Hobby oder einfach die Freiheit, sich ab und zu etwas Schönes leisten zu können.
Vielleicht macht genau diese Mischung den Reiz für mich aus: Die Herausforderung, die Strategie, die Reisen, die Menschen und ja – hin und wieder auch die Aussicht auf einen richtig guten Score.
Wenn er dann kommt, fühlt er sich umso schöner an, weil er nicht notwendig ist, sondern einfach ein Bonus zu einem Hobby, das mir ohnehin schon unglaublich viel gegeben hat.
Das war nun ein etwas längerer erster Einblick in meine Pokerwelt. 😄
In den kommenden Beiträgen werde ich viele Geschichten, Erlebnisse und hoffentlich auch die ein oder andere lustige Anekdote vom Pokertisch mit euch teilen. Dabei wird es nicht nur um große Turniere, Reisen und Erfolge gehen, sondern auch um die verrückten Situationen, die dieses Spiel so einzigartig machen. Videos und Bilder werden natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Genauso wichtig ist es mir aber, die weniger glamourösen Seiten des Pokers zu zeigen. Über die Jahre habe ich viele Fehler gemacht, manche Dinge falsch angegangen und dabei einiges gelernt. Auch darüber werde ich offen schreiben. Sei es der Umgang mit Varianz, mentale Herausforderungen oder die Balance zwischen Poker, Beruf und Privatleben.
Wenn ihr also Lust habt, mich auf dieser Reise zu begleiten, schaut gerne immer mal wieder vorbei.
Gut Blatt und bis zum nächsten Beitrag! ♠️♥️♣️♦️

